Neues Licht auf die „Franzosenzeit“

Der Historiker Dr. Johannes Schmitt ist tot – Er erforschte die Auswirkungen der Französischen Revolution an der Saar und schlug Brücken zwischen Wissenschaft und Heimatforschung

 Als „einen Pionier der saarländischen Geschichtsforschung“ und „einen Brückenbauer zwischen Wissenschaft und Heimatforschung“ haben die beiden großen Geschichtsverbände des Saarlandes ihren langjährigen Vorsitzenden Dr. Johannes Schmitt gewürdigt. Der Historiker aus Schmelz, der durch zahlreiche Bücher und Aufsätze bekannt wurde, war in den vergangenen Tagen im Alter von 75 Jahren verstorben. „Wir trauern um einen Experten, der durch die Erschließung neuer Dokumente die so genannte Franzosenzeit an der Saar, insbesondere die Epoche der Französischen Revolution und deren Auswirkungen auf unsere Region, in ein völlig neues Licht gestellt hat“, heißt es in einer Erklärung des Historischen Vereins für die Saargegend (HV) und des Landesverbandes der historisch-kulturellen Vereine des Saarlandes (LHV). „In den vergangenen Jahrzehnten ist ein neues, detailliertes, von nationalistischen Vorurteilen gereinigtes Bild der Saargeschichte erarbeitet worden, und an diesen Bemühungen hatte Dr. Johannes Schmitt als Autor und Herausgeber einen wichtigen Anteil.“ Außerdem habe der Verstorbene in langfristigem Zusammenwirken mit anderen auch der Arbeit der Geschichtsvereine im Saarland wichtige Impulse gegeben, heißt es weiter in der Erklärung der beiden Verbände. 

Dr. Johannes Schmitt war von 2004 bis 2009 Vorsitzender des traditionsreichen Historischen Vereins für die Saargegend. Als solcher war er im November 2004 an der Gründung des Landesverbandes der historisch-kulturellen Vereine (LHV) beteiligt und führte auch diese Organisation, der heute 58 Geschichts- und Heimatkundevereine aus allen Teilen des Saarlandes angehören, knapp zehn Jahre lang. Im Jahr 2005 war der Historiker auch eine der treibenden Kräfte hinter der Gründung der von beiden Verbänden herausgegebenen historischen Zeitschrift „saargeschichte/n“, die er als „Flaggschiff der saarländischen Geschichtskultur“ bezeichnete.

Dr. Johannes Schmitt stammte aus Hüttersdorf (Gemeinde Schmelz) und war als Gymnasiallehrer in Lebach tätig. Außerdem nahm er Lehraufträge an der Universität des Saarlandes wahr. Seine besondere Verbundenheit zur Ortsgeschichte kam auch darin zum Ausdruck, dass er 25 Jahre lang, von der Gründung 1987 bis zum Jahr 2012,  den Historischen Verein Schmelz als Vorsitzender leitete und auch auf dieser Ebene durch eine Vielzahl von Veröffentlichungen hervortrat. Außerdem betreute er über etliche Jahre als Redakteur die Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend.

Sein weiteres Schaffen, insbesondere seine Forschungen über die Auswirkungen der Französischen Revolution auf die Saar-Region, fand weithin Beachtung. Erst durch seine Veröffentlichungen erfuhr ein breiteres Publikum bestimmte Einzelheiten über jenes turbulente Jahrzehnt zwischen 1789 und 1799, in dem nicht nur Saarlouis, sondern auch das Schaumberger Land zum revolutionären Frankreich gehörte. Auf Antrag von Bewohnern wurde im Februar 1793 die Gegend um Tholey, Schmelz eingeschlossen, vom Konvent in Paris eingegliedert. Auch in Saar-Dörfern wurden damals Freiheitsbäume gepflanzt.

Eine wichtige Publikation aus der Werkstatt von Dr. Johannes Schmitt war auch der Band „Das Saarland – Geschichte einer Region“, den er 2012 gemeinsam mit Dr. Hans-Christian Herrmann, dem Leiter des Stadtarchivs Saarbrücken, im Auftrag des Historischen Vereins für die Saargegend herausgab. Zu den Themen, mit denen er sich kontinuierlich beschäftigte, gehörten auch die Zeit des Nationalsozialismus und die Entwicklung der katholischen Kirche. Dr. Johannes Schmitt war unter anderem seit 1989 Mitherausgeber der für das Bistum Trier konzipierten kritischen Zeitschrift „imprimatur“.


Veröffentlicht am 26. Oktober 2018